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Über gute und schlechte Branch-Namen

Date: 2022-05-25 13:53

Früher hatten nahezu alle git-basierten Projekte als Default-Branch den Namen "master" genutzt. Das war so Standard. Da "master" und "slave" angeblich schlechte und ungeeignete Wörter sind, gibt es seit bereits recht langer Zeit eine Bewegung und den damit verbunden Gruppenzwang, diese möglicherweise beleidigenden Begriffe auszutauschen. Aus "master" wird also "main". Das klingt besser, ist kürzer, toll. Aber muss man nun alle alten Repositories anpassen? Wörter wie Herr und Sklave sind in der Welt und lassen sich nicht wieder in die Büchse der Pandorra zurücksperren. Die Menschheit muss lernen mit ihrer Vergangenheit und auch den schlechten Dingen in dieser und daraus entstandenen Wörtern zu leben.
Eben habe ich mein erstes Projekt auf den neuen Standard-Default-Namen "main" umgestellt. Nicht aus Zwang, sondern weil es eben Standard ist und ich mir nie merken kann, welches meiner Projekte welchen Default-Branchnamen verwendet. Also müssen nach und nach alle Namen mal vereinheitlicht werden. Auf der Kommandozeile geht das recht einfach:
git status
git branch --move master main
git push --set-upstream origin main
git branch --all
git push origin --delete master
Der letzte Befehl scheiterte. Nun, ich lernte, dass ein Default-Branch nicht gelöscht werden kann und in Gitlab dieser zusätzlich noch mit einem "protected"-Flag geschützt ist. Hinweis an mich selbst: Unter Einstellungen/Repository lassen sich diese Maßnahmen umstellen.
Das Problem was ich dabei sehe ist, dass im technischen Bereich Begriffe wie Master und Slave niemals auf Personen bezogen genutzt wurden und auch recht treffend den Beziehungsstatus etwa zwischen Prozessen oder Diensten beschreiben. Ich glaube, kein Programmierer denkt bei dem Wort Slave an Sklaverei oder gar an die Diskriminierung von Menschen. Insofern ist das ein Wort, welches in einem eng umrissenen Kontext im Laufe der Zeit eine positive, nützliche Bedeutung erlangt hat. Es wird hier mit Worten und ihren Bedeutungen gespielt und dem normalen Nutzer wird das Leben schwer gemacht. Es wird niemanden weniger rassistisch machen oder gar das Rassismusproblem lösen helfen. Es schafft neue Probleme und führt somit zu noch mehr Spaltung und Uneinigkeit, während gedacht wird, man hätte damit etwas Gutes getan.
Ich bin ein entschiedener Gegner des Verbots oder der gezielten Nichtnutzung vermeintlich schlechter Begriffe, da man diese so dem schlechten Kontext eingliedert und jede Chance auf eine Rehabilitation verwehrt. Beispielsweise wird das Land Sachsen-Anhalt offiziell nicht mit SA sondern mit ST abgekürzt, das Land Niedersachsen mit NI statt NS. Das finden die Nutzer gut, weil sie denken, sie tun etwas gegen Nazis und deren Begriffe, aber im Grunde wird die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nur verdrängt. Schade.
Entreisst schlechte Begriffe ihrem Umfeld und nutzt sie positiv! Das wäre mal etwas Gutes!
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